{"id":35971,"date":"2023-12-21T19:00:09","date_gmt":"2023-12-21T18:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/?page_id=35971"},"modified":"2023-12-21T19:00:11","modified_gmt":"2023-12-21T18:00:11","slug":"pm-83-und-dann-kam-corona-rueckblick-auf-ein-kollektives-trauma","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/pm-83-und-dann-kam-corona-rueckblick-auf-ein-kollektives-trauma\/","title":{"rendered":"PM: #83 Und dann kam Corona &#8211; R\u00fcckblick auf ein kollektives Trauma"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Presseaussendung der GGI-Initiative am 21.12.2023<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Im Rahmen ihrer Traumap\u00e4dagogik-Ausbildung f\u00fchrte die ehemalige Radiomacherin Evelyn Ritt zahlreiche Interviews mit Menschen aus dem Sozialbereich, sowie einer Psychologin und einem Psychiater. Sie ging darin der Frage nach, ob die Corona-Jahre traumatisch f\u00fcr die gesamte Gesellschaft waren. Die Interviewpartner berichten \u00fcber ihre Erfahrungen und Beobachtungen unabh\u00e4ngig davon, ob sie die Ma\u00dfnahmen bef\u00fcrworteten oder ihnen kritisch gegen\u00fcberstanden. Im Ergebnis sind bei n\u00e4herem Hinh\u00f6ren aber die Sorgen und \u00c4ngste auf beiden Seiten ganz \u00e4hnlich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Motivation<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Blick zur\u00fcck auf die vergangenen Jahre offenbart viele Fragezeichen &#8211; auch jene Frage, ob diese Zeit traumatisch f\u00fcr unsere gesamte Gesellschaft war. Aus einer gemeinsamen Angst, die im M\u00e4rz 2020 die Menschen verbunden hat, wurden im Laufe der kommenden Jahre viele unterschiedliche \u00c4ngste, die das Potential hatten, Menschen gegeneinander aufzubringen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Gesellschaft &#8211; Kollektives Trauma<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Ebene des kollektiven Bewusstseins wirken Halt gebende, Identit\u00e4t vermittelnde und Frieden gew\u00e4hrende Kr\u00e4fte. Diese k\u00f6nnen in Krisen nachlassen oder weitgehend wegbrechen. Der Sinn f\u00fcr Hoffnung, f\u00fcr Sicherheit aus dem Erleben von Gemeinschaft, f\u00fcr gemeinsame Kraft und Vorsorgef\u00e4higkeit wird in solchen Krisen vergraben, vermindert und irritiert. Daraus entsteht das kollektive Trauma, die Verletzung der Gesellschaft als Ganzes. Die positive Kraft der Gemeinschaft wird zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Stattdessen kommt es zu Zersplitterung und Polarisierung. Die Kr\u00e4fte zum Erkennen des Guten und der Gemeinschaft werden aufgezehrt. Es entstehen Vereinzelungen und das Grundvertrauen zu anderen geht verloren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gesellschaftliche Prozesse m\u00fcssen auf politischer Ebene jedenfalls immer mitbeachtet werden. Auch die Wichtigkeit von Gef\u00fchlen, von Gemeinschaft und Verbundenheit muss bei Entscheidungen miteinbezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig f\u00fcr integrative Prozesse ist das Zuh\u00f6ren, aber auch das miteinander schweigen. Das bedeutet nicht das Absehen von L\u00f6sungen, sondern nicht sofort die eigene Meinung auf andere zu projizieren. Der Reflex, andere \u00fcberzeugen zu wollen, sollte hintangestellt werden. Einzelne Prozesse und Erfahrungen sollen zusammengetragen und verglichen werden. Dahinter steht immer die Frage &#8220;Was bedeutet jede Ma\u00dfnahme f\u00fcr das Ganze?&#8221;. Durch einen derartigen Austausch kann am Ende das gro\u00dfe Schweigen nach der Krise durchbrochen werden. Werden Sicherheit und Vertrauen neu geschaffen, entsteht die M\u00f6glichkeit, das Erlebte zu versprachlichen. Und erst dann k\u00f6nnen L\u00f6sungen entstehen, die von den Menschen mitgetragen werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Kinder und Jugendliche &#8211; Angst und Schuld<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kinder und Jugendliche waren keine Pandemietreiber und kaum je gef\u00e4hrdet. Trotzdem waren sie von den Ma\u00dfnahmen besonders betroffen. Jetzt zutage tretende, gravierende psychische Folgen waren von Anfang an absehbar. Besonders perfide war die Vermittlung von Schuld: &#8220;Du, Kind, wirst die Oma t\u00f6ten, wenn du nicht wegbleibst.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kinder- und Jugendpsychiatrien waren die l\u00e4ngste Zeit \u00fcberfordert und mussten triagieren. Die Regeln f\u00fcr Schulen waren chaotisch. F\u00fcr Kinder war der Kontakt mit anderen Kindern nach den Zeiten der Isolation mitunter schwierig, die Reaktion auf Gesichter nach der Maskenphase war anders als fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Depressionen, Ess- und K\u00f6rperbildst\u00f6rungen sowie Suizidalit\u00e4t bei Kindern und Jugendlichen sind stark gestiegen. Ebenso vielerlei St\u00f6rungen bei Kleinkindern. Schwangerschaft und Geburt waren wegen der Corona-bedingten Ma\u00dfnahmen in Krankenh\u00e4usern oft belastend und traumatisch. Partner durften die Geburt ihres Kindes nicht miterleben. Stress vor und bei der Geburt wirkt sich negativ auf das Kind aus. Das Gesicht und dessen Ausdruck sind wesentlich f\u00fcr das Bindungsschema des Kindes zum Erwachsenen. Dies wird durch Tragen einer Maske v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Die Resonanz zwischen Mutter und Kind ist gest\u00f6rt, der Augenausdruck allein gen\u00fcgt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Problematik von diversen Bindungsst\u00f6rungen wird absehbar vermehrt zu narzisstischen Auspr\u00e4gungen f\u00fchren &#8211; angetrieben auch durch die vielen Wochen der Isolation. Wie der Gesamtschaden aussieht, wird erst \u00fcber Generationen sichtbar werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Sozialarbeit &#8211; Erfahrungen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gesellschaft ist h\u00e4sslich geworden, egoistischer. Einsamkeit und emotionale Abstumpfung spielen eine Rolle, man war vielfach auf sich selbst gestellt. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert gewesen, dass die Politik auf Hetzerei verzichtet h\u00e4tte, und stattdessen den Fokus auf das Verbindende gelegt h\u00e4tte. Mehr Diskurs h\u00e4tte erm\u00f6glicht werden m\u00fcssen, auch zwischen den Experten. Es gab sehr wohl Wissenschaftler und \u00c4rzte, die die Dinge anders gesehen haben als jene Fachleute, die \u00f6ffentlich auftraten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alte und kranke Menschen wurden in Heimen und im Krankenhaus allein gelassen. Selbst Sterbenden wurden letzte Kontakte zur Angeh\u00f6rigen versagt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Randgruppen wie Gef\u00e4ngnisinsassen hatten es schwer. Sie hatten noch weniger Kontakt zur Au\u00dfenwelt als ohnehin schon, denn zu viele Insassen mussten sich wenige Telefone und Computer teilen, um mit ihren Angeh\u00f6rigen zu kommunizieren. Sie wurden noch introvertierter, der enge Raum wurde noch enger, Impulsdurchbr\u00fcche und Konflikte passierten h\u00e4ufig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber auch positive Aspekte werden von den Befragten betont: Die Gesundheit ist st\u00e4rker in den \u00f6ffentlichen Blick ger\u00fcckt als etwas, das nicht selbstverst\u00e4ndlich ist. Ebenso gibt es nun ein erh\u00f6htes Bewusstsein daf\u00fcr, wie sehr Menschen unter Einsamkeit leiden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Schlussfolgerung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die einen hatten Angst vor Erkrankung, die anderen davor, betrogen zu werden und durch die Regierungsma\u00dfnahmen zu Schaden zu kommen. Beide Gruppen wurden gegeneinander getrieben, der Konflikt war vorprogrammiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende sitzen wir aber alle im gleichen Boot. Die Aufarbeitung des Geschehenen erfordert Offenheit, andere Meinungen zu akzeptieren sowie auf andere zuzugehen. Eine gemeinsame Analyse, wie es zu diesen \u00dcberreaktionen kommen konnte, muss dabei m\u00f6glich sein. Wegen des kollektiven Traumas scheint dieses Aufeinander zugehen aber derzeit noch schier unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Evelyn Ritt selbst fasst es so zusammen: \u201e<em>In welcher Welt wollen wir leben? Egal wie jeder durch diese Zeit gekommen ist, wenn wir wieder offen aufeinander zugehen, werden wir erkennen, dass die \u00c4ngste, die uns getrieben haben, gar nicht so unterschiedlich waren. Unsere eigenen \u00c4ngste, N\u00f6te und Sorgen sollten wir auch im Anderen sehen, anerkennen und aushalten.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><em>Weiterf\u00fchrende Information<\/em><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ritt E. <em>MundWerk &#8211; Der Wille zum Sinn &#8211; eine Retrospektive<\/em>. YouTube, 2023. online: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Y4XBOpswsPE\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Y4XBOpswsPE<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Siehe auch<\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/pm-6-das-corona-trauma\/\" title=\"PM: #6 Das Corona-Trauma\">PM: #6 Das Corona-Trauma<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/pm-72-einsame-herzen-zahlreiche-traenen\/\" title=\"PM: #72 Einsame Herzen \u2013 zahlreiche Tr\u00e4nen: Wenn Spaltung zu Isolation und Einsamkeit f\u00fchrt!\">PM: #72 Einsame Herzen \u2013 zahlreiche Tr\u00e4nen: Wenn Spaltung zu Isolation und Einsamkeit f\u00fchrt!<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Presseaussendung der GGI-Initiative am 21.12.2023 Im Rahmen ihrer Traumap\u00e4dagogik-Ausbildung f\u00fchrte die ehemalige [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-35971","page","type-page","status-publish","hentry"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/35971","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=35971"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/35971\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35972,"href":"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/35971\/revisions\/35972"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ggi-initiative.at\/wp\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=35971"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}